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Zwischen den Welten sein
Die «indonesischen Schwestern» sprechen akzentfrei deutsch, haben deutsche Pässe und Ahnen, und doch sind sie anders und fremd mit ihren Mandelaugen und der dunklen Haut. Nach dem Tod des Vaters sind Mutter Phyllis und ihre drei Töchter in das kleine Dorf am Niederrhein, die Heimat ihrer Vorväter, gezogen. Haben Mutterland gegen Vaterland eingetauscht.
Dort prallen indonesische Naturvorstellungen und deutsche Dorfmentalität aufeinander. Oft ist den Töchtern ihre Mutter peinlich. Sie versuchen, sich in einer Welt, in der es nur Gespenster statt Geister, Kartoffeln statt Reis und viel Gerede über Liebe gibt, zurechtzufinden, die Katastrophen des Alltags zu meistern. Die kulturelle Prägung der indonesischen Heimat begleitet sie.
Die unterschiedlichen Lebenswelten befruchten sich, kollidieren aber auch in Ausgrenzung und offen gezeigter Ablehnung durch die Dorfbewohner. Die Frauen tratschen über die Fremden, auf die Männer üben sie einen exotischen Reiz aus.
Die heranwachsenden Töchter finden in diesem «Zwischen-den-Welten-Sein» ihre Identitäten. Alle drei werden in ihrer Entwicklung von dem großen Vertrauen bestärkt, das ihre Mutter ihnen schenkt. Am Ende des Romans löst sich der kleine Familienkosmos auf ... die Töchter stehen am Anfang neuer Lebenswege.
An vier Tagen in vier aufeinanderfolgenden Jahren begleiten wir die Frauen und werden beim Lesen immer wieder mit unseren eigenen Vorurteilen und Wertungen konfrontiert. Eine Erzählung, die komplexe interkulturelle Situationen auf leichte, nie belehrende Weise beschreibt. Die Integrations- debatte macht viel an der Sprache fest. Doch in diesem Roman zeigt sich auch, dass die Auffassung «Würden sie richtig Deutsch lernen, wären sie integriert» zu kurz greift.
«Die indonesischen Schwestern» ist ein Familienroman, der natürlich auch aus der Geschichte der Familie der Autorin erzählt. Sandra Wöhe ist niederländisch-indonesischer Herkunft, in Düsseldorf aufgewachsen, lebt sie heute in Zürich. Die Erfahrungen der Großmutter aus Indonesien, die Geschichten ihrer Mutter und der Schwestern, ihre eigene und die ihrer Nichten inspirierten sie zu der Geschichte. In Dörfern läuft die Zeit anders. Man fühlt sich manchmal zurückversetzt in die 1960er Jahre, und doch passiert all das Erzählte heute ...
Bücherfrauen Köln/Bonn, August 2011