Mette führt Buch, Irma gibt Bücher weiter. Meine neuste Kolumne finden Sie in der Rubrik «lesen» – und mehr.
Dramen des Erwachsenwerdens. lust-zeitschrift.de
„Eine bekommt ein Kind, die andere verliebt sich in eine Fotografin, die dritte trägt plötzlich Kopftuch. Mutter Phyllis, indonesischer Herkunft, meistert die Dramen des Erwachsenwerdens ihrer Töchter und das Fremdsein in einem deutschen Dorf in einer Mischung aus robustem Pragmatismus und indonesischen Naturvorstellungen.
In Indonesien war Phyllis mit einem Deutschen verheiratet. Nach seiner überraschenden Krankheit entschließ sie sich, Indonesien zu verlassen und mit den drei Töchtern in das Haus ihres Mannes in ein Dorf in Nordrhein-Westfalen zu reisen. Dort stirbt er. Die Familie kehrt nicht zurück nach Indonesien. Und sie sind Fremde, auch wenn sie perfekt deutsch sprechen. Sie sind die einzigen „Schlitzaugen“ im Dorf.
Drei Jahre leben sie nun schon dort. Der Roman beginnt an dem Tag, an dem eine der Schwestern, selbst noch lange nicht erwachsen, ein Kind bekommt. In den folgenden vier Jahren, aus denen je ein Tag erzählt wird, passiert viel im Leben der Schwestern, sie werden erwachsen, verlieben sich, eine von ihnen liebäugelt mit dem Islam, eine andere wird lesbisch, sie driften in unterschiedliche Richtungen und dann gerät eine in große Gefahr …“, so beschreibt Konkursbuch Verlag Claudia Gehrke das Buch.
Die Autorin weiß genau, wovon sie in ihrem Roman schreibt. Sandra Wöhe, als Tochter einer Indonesierin und eines Holländers, in den Niederlanden geboren, lebt als Publizistin und freie Journalistin in Zürich.
Die LeserInnen der Zeitschrift LUST kennen sie längst, denn sie hat dort eine regelmäßige Kolumne, die allerdings mit dem lesbischen Alltag unter Freundinnen zu tun hat.
Der Roman führt in die Gedankenwelt von Phyllis ein, die von indonesischen Mythen durchzogen ist. So wird klar, dass die Personen, die sich kennen und verständigen, sich doch nicht verstehen und näherkommen können. Die wichtigste Bezugsperson für Phyllis in ihrer neuen Heimat ist für diese Familie der (katholische) Pfarrer der Gemeinde. Als dieser versetzt wird und ein neuer Pfarrer sein Amt übernimmt, kann sich die Haushälterin mit ihren Vorurteilen, aus denen ein Kleinkrieg wird, durchsetzen. Sie vergiftet das Klima in der Gemeinde und das ohnehin beschwerliche Leben von Phyllis und ihren Kindern wird dadurch noch schwieriger.
Der Roman ist einfühlend geschrieben, nicht ohne Humor und lässt den/die LeserIn nicht unberührt. Ich kann Euch "Die indonesischen Schwestern" nur empfehlen.
(rs) www.lust-zeitschrift.de, 107. Ausgabe, Sommer 2011, 22. Jahrgang